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NIELS
GUNKELMANN UND SEINE WELT
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Niels,
und das ist sein einziger Vorname, wurde am 9. Juli 1962 in
Westerland auf der Insel Sylt geboren. Seine Mutter hatte 35
Jahre früher am gleichen Tag und am gleichen Ort das Licht
der Welt erblickt. Der Vater stammt aus Mainz. 1960 wurde Klaus,
der einzige Bruder von Niels geboren. Niels Gunkelmann besitzt
weder einen Pkw-Führerschein noch ein Handy. Seit 1991
verkauft er seine Bilder vorwiegend an Ärzte, die zwar
meist keine Kunstkenner, dafür aber bekanntlich besonders
geschäftstüchtig sind.
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ZUM
KÜNSTLER
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Niels
erzählt über seinen Weg zur Kunst: "Meine Mutter
war seit meiner Geburt schwer krank. Zuerst litt sie an einem
Überarbeitungssyndrom. Da sie aber immer mehr leistete,
statt zu drosseln, endete das dann schließlich in Lymphdrüsenkrebs.
Sie war die Einzige auf der Krebsstation, die überlebte.
Meine ganze Kindheit war geprägt durch die ständige
Angst und Sorge, die Mutter könnte jeden Tag sterben. Auf
der anderen Seite stand mein supergesunder Vater, von dem ich
fürchtete, er könnte die stark gefährdete Mutter
überfordern. Als Ventil blieb mir nur eine von Aggressionen
geprägte Lebensweise und das Malen von Bildern, was mich
schon immer stark beruhigt hatte, sogar Wutausbrüche dämmte
und mir half, Konflikte zu lösen."
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DIE
JUGEND
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Schon
im Alter von 10 Jahren erlernte er das Spielen auf dem Flügelhorn.
Bis heute spielt er leidenschaftlich gern auf diesem Instrument,
das er von seinem Großvater erbte und das aus dem Jahr
1885 stammt. Er musizierte auch häufig zusammen mit seinem
Vater. Seit Niels einen Stift halten konnte, hat er gemalt und
gezeichnet: "Ich habe mein ganzes Leben immer schon gemalt.
Zu meiner Kindheit waren dies Filzstiftzeichnungen, die sich
mit meinen Kinoerlebnissen (Disney-Filmen) beschäftigten.
Aber vor allen Dingen malte ich, angeregt durch die Erzählungen
meines Vaters, immer wieder Kriegsbilder. Als ich heimlich die
ersten Comics las, zeichnete ich die Helden dieser Geschichten.
Gewalt spielte oft eine Rolle in diesen Bildern, ausgelöst
durch ein nicht sehr harmonisches Eheleben meiner Eltern."
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1969
kam Niels in die Schule und konnte dort mehrere Zeichenwettbewerbe
gewinnen. 1973/74 malte er zum Thema "Rettet die Insel
Sylt geht unter im Schmutz" ein Großbild von
1.5 x 2 m, welches ihm den 1. Preis der Klasse einbrachte. Sylt
ist eigentlich berühmt für seine Landschaftsmaler.
Und so etwas erwartet man natürlich weiter, bis heute.
Auch Niels blieb davon natürlich nicht ganz unberührt.
Angeregt durch die bekannten Marinemaler Andreas Dirks und Schlöhmann
die Bilder hingen bei seinem reichen Onkel im Eßzimmer
fing er an, große Formate zu malen. Auf dem genannten
Bild sind auch Soldaten zu sehen, die die Reichskriegsflagge
halten: "Das wurde falsch verstanden, die dachten wohl, daß
die Bundeswehr mithelfen solle, aufzuräumen, dabei war
mein Gedanke, aufzuzeigen, daß die Wehrmacht mit ihren
Bunkeranlagen schon seinerzeit die Insel versaut hat." 1982
erreichte er den 2. Platz bei einer Ausstellung "Fußballbilder
der Jugend".
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1984, nach dem Abitur, wollte er eigentlich Kunst studieren,
ließ diesen Plan aber auf den Rat eines Schulfreundes
hin fallen: "Malen lernst Du dort nicht, sie zeigen Dir
lediglich, wie Du Deine Kunst verkaufen kannst. Mach' Dein Ding."
Egal, ob der Rat nun gut oder schlecht gewesen sein mag
er führte Niels dazu, seinen ganz eigenen und unverwechselbaren
Stil zu entwickeln. Nach Ablehnung des Kriegsdienstes und Ableistung
des zivilen Ersatzdienstes von Mitte 1984 bis Ende 1985 im Jugendzentrum
Sylt (Westerland) wollte er nun endlich die Welt kennenlernen
und ging auf zahlreiche Reisen durch Europa und Nordafrika.
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HINTER-PLASTIK-BILDER
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Niels
begann 1980, hauptsächlich Acryl- und Lackfarben zu benutzen.
Seine Bilder wurden zuerst auf dicke, durchsichtige Plastikplanen,
wie man sie auf Baustellen verwendet, gemalt, später auf
dickes Acrylglas, vornehmlich in großen Formaten. Die
Technik war dabei eine ähnliche wie bei der Hinterglasmalerei.
Er sagt dazu: "1980 wechselte ich das Medium. Statt Papier,
Tusche oder Bleistift und Tinte nahm ich jetzt Plastik-Baufolie,
die wir in rauhen Mengen auf unserem Dachboden liegen hatten,
denn das Haus war gerade neu gedeckt worden. Diese Folie entsprach
perfekt meinen Vorstellungen hinsichtlich der Haltbarkeit meiner
Kunstwerke. Im festen Glauben, die Menschheit würde sich
in einer wahnsinnigen Vernichtungsorgie mit ABC-Waffen ausradieren,
ging ich daran, diesen Gedanken in meine Bilder aufzunehmen
und auszuarbeiten. Sie sollten auf keinen Fall meine Lebenszeit
überdauern. Plastik erschien mir das geeignete Material.
Es würde die Lackfarbe nur kurz auf sich tragen und dann,
durch Hitze und Kälte, so dachte ich, würde die Farbe
reißen und abblättern. Zerfallskunst, das war mein
Ziel. Ich war auf der Suche nach minderwertigen Bildträgern,
wurmstichigem Holz, rostigen Blechen. Keine Kunst für die
Ewigkeit. So, wie meine Mutter langsam vom Krebs zerfressen
wurde, sollten auch meine Bilder langsam vergehen. Darum habe
ich sie auch niemals signiert, und sie hatten weder Titel noch
Preis. Ich verschenkte die Bilder und wenn doch einmal
eins verkauft wurde, gab der Käufer, was er für richtig
hielt, meist den Selbstkostenpreis. Die Plastikfolienbilder
stellen für mich einen ganz besonderen Schaffensabschnitt
dar, weil ich endlich die eingebrannten Vorurteile und Fehler,
unter denen ich lange litt, ablegen konnte. Nicht nur das Festhalten
an altbewährten Ausdrucksformen und Materialien wurde überwunden,
sondern ich hatte noch nie so klar mein Leid in eine bildnerische
Form gegossen."
1983 wurden die neuen Bilder zum erstenmal in der Galerie seines
Cousins Axel in Westerland gezeigt. 1984 folgte eine Ausstellung
in den Räumen des Spielcasinos im Sylter Bürgermeisteramt
(Westerland). Die Werke kamen damit erstmals einer breiteren
Öffentlichkeit zu Gesicht. Publikum und Presse waren ratlos,
und die Rezensenten begnügten sich mit einer kurzen Beschreibung
der Bilder, die sie nicht einzuordnen wußten. Diese "Hinter-Plastik-Bilder",
die Menschen in bedrohlichen Situationen oder bedrohliche Menschen
zeigten, irritierten die Kritik. Es war eben ein neuer Stil.
Niels dazu: "Die Grundmelodie meiner Bilder wurde in der
Zeit 1980-84 festgelegt."
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FREUNDE
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Über
seinen ersten Bewunderer und Kritiker berichtet Niels: "Ausgelöst
durch psychologische Gespräche mit meinem Cousin Axel,
der in Berlin Theaterwissenschaften, Literatur und Psychologie
studierte, gelang es mir mehr und mehr, meine Sorgen und Ängste
auf den Punkt zu bringen. Alle kamen von nah und fern, um Axel
ihre Sorgen zu beichten. Sie hofften auf Rat und Trost, den
er ihnen in seiner klaren und unmißverständlichen
Weise auch erteilte, oft zu ihrem späteren Ärger,
weil sie sich durchschaut fühlten. Er war wie ein Bruder
für mich; seinen Tod durch Selbstmord Ende Dezember 1989
habe ich nie so recht verwunden. Axel war für meine geistige
Entwicklung maßgebend. Er prägte meinen Film- und
Literaturgeschmack und schärfte meinen Kunstsinn. Viele
Bilder Anfang der 80-er Jahre habe ich für ihn gemalt,
denn er war neben meiner Mutter nicht nur mein einziger Sammler,
sondern auch mein wertvollster Kritiker. Beim Anblick einiger
Bilder erblaßte Axel allerdings und sagte traurig zu mir:
"Ich habe nie gewußt, wie schlecht es Dir wirklich
die ganze Zeit gegangen ist." Axel stellte mir in Berlin,
wo er seit 1977 studierte, auf der Sylvesterfeier 1981/82 Annette
Tirier vor, die in der gleichen Wohngemeinschaft in einem besetzten
Haus zusammen mit vielen Filmstudenten wohnte. Zwei Monate später
besuchte mich Annette auf Sylt, zog einige Tage später
bei mir ein, und seitdem haben wir uns nicht mehr getrennt.
Ich habe durch meine Lebensgefährtin Annette Tirier viele
Anregungen erfahren. Sie vermittelte mir Einblicke in den Produktionsvorgang
von Filmen, Theaterstücken und Opern, aber auch in die
Probleme der Filmkünstler selbst."
Eine
langjährige Freundschaft verbindet Niels auch mit dem Berliner
Wissenschaftler und Künstler Dr. Wilfried Kugel. Durch
seine kritischen historischen Bücher und Publikationen
wies dieser ihn auf wichtige Gedankenwege hin und stellte auch
immer wieder ungewöhnliches Fotomaterial zur Verfügung,
welches mehrfach, ganz besonders bei der "Hanussen-Serie",
zur Vorlage für Bilder von Niels wurde. In der Berliner
Wohnung von W. Kugel entstand auch 1986 das einzige Gemeinschaftswerk
beider, ein kinetisches (elektrisch betriebenes) Gemälde
"Weltuntergang" (2,50 m x 3,50 m). Es bedeckt bis
heute eine ganze Wand in seinem Wohnzimmer und wurde von ihm
als Geburt des "Neuen Symbolismus" gefeiert. Wilfried
Kugel bemerkt dazu heute: "Seit 15 Jahren muß ich
allen meinen neuen Besuchern das irritierende Bild erklären.
Manchmal erschrecken die Leute, wenn sich das daran befindliche
"Rad des Schicksals" ganz langsam und entgegen dem
Uhrzeigersinn in Bewegung setzt."
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INDIEN
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1986
machte Niels seine erste Indienreise, die ihn nachhaltig beeinflußte.
Seitdem hält er sich zusammen mit Annette jeden Winter
für sechs Monate dort auf, wohl auch, um der in der kalten
Jahreszeit sehr ungemütlichen Insel Sylt zu entfliehen.
Heute malt er fast ausschließlich in Indien. Darüber,
wie seine Beziehung zu Indien zustandekam, erzählt er:
"Ich glaube, sehr wichtig für meinen künstlerischen
Werdegang waren die vielen Comics und Zeichentrickfilme im Kino
der späten sechziger Jahre und vor allem die Kriegserzählungen
meines Vaters. Sie waren für mich als Kind der Gipfel menschlicher
Willenskraft der Wille, den Krieg heil zu überstehen,
aber auch der Wille, sich nicht unterzuordnen. Denn mein Vater
tat nie, wie ihm geheißen, nicht im Krieg und nicht im
Zivilleben. Er suchte sich gleich nach dem Krieg einen indischen
Meister, der ihn in indischer Philosophie und Yoga ausbildete.
Yogaübungen praktizierte er bis in seine späten Jahre.
Als Kind hat es mich immer irritiert, wenn er seine Übungen
machte, und seine Erklärungen sagten mir nicht viel. Erst
viel später, nach meinen Indienreisen, begriff ich, was
es damit auf sich hatte. Es geht darum, das weltliche Besitzstreben
hinter sich zu lassen und durch gezielte Atemübungen und
Bewegungstechniken Gott in sich selbst zu suchen."
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IN
ÖL
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Indien
machte auf Niels Gunkelmann einen überwältigenden
Eindruck, der sich augenfällig in der Technik, dem Stil
und den Inhalten seiner Bilder niederschlug: "In Indien
hat mich von Anfang an die Farbigkeit und Vielseitigkeit der
Landschaft beeindruckt. Ich malte viele Landschaftsbilder mit
Tusch-, Aquarell- und Plakafarbentechnik, in denen ich die grellen
Lichtspiele und die harten Schatten einzufangen suchte. Es ist
mir klar, daß meine Bilder auch hier noch von meiner Affinität
zu Comics beeinflußt worden sind. Die Gegenstände
und Horizonte wurden mit scharfer Linie schwarz aus ihrer Umgebung
herausgelöst." In Indien entdeckte Niels schließlich
auch die alte Technik der Ölmalerei für sich. Dabei
spielte auch eine Rolle, daß sich Ölgemälde
länger bearbeiten ließen als die zuvor benutzten
Farben, und die Bilder dadurch nicht mehr wie bisher in kürzester
Zeit fertiggestellt werden mußten. Hier zeigte sich das
neu entdeckte Lebens- und Zeitgefühl des Orients. Niels
erinnert sich: "In Indien begann ich das erste Mal in meinem
Leben, in Öl zu malen. Mir war diese Malart während
meiner Schulausbildung verleidet worden. Ich verband damit das
Schaffen der Alten Meister, die wir im Kunstunterricht immer
und immer wieder durchgekaut hatten und die für mich dadurch
zum Inbegriff von Spießigkeit wurden. Ich verwechselte
dabei allerdings die Spießigkeit der Kunstlehrer mit dem
Schaffen der Alten Meister, welche uns unsere Lehrer nicht nahezubringen
wußten, denn sie betrachteten die "Meisterwerke"
immer aus dem Blickwinkel des anbetenden Kunstliebhabers, der
verschüchtert einem Genie gegenübersteht. Ich mußte
erst alle meine Vorurteile überwinden, um Anfang 1997 in
Indien mit der Ölmalerei anzufangen. Es reizte mich auch,
mit einem sehr alten Medium sehr neue Probleme zu zeigen, die
in unserer heutigen Welt für mich von Bedeutung sind: Die
Beziehungslosigkeit in der Massengesellschaft, sogenanntes pathologisches
Verhalten von den Psychologen oft als "Verhaltensauffälligkeiten"
verniedlicht und die starke Verdrängung des Themas
Tod in der westlichen Welt, daneben aber auch die Zerstörung
der lebensnotwendigen Ressourcen durch den Menschen sowie die
Vergiftung der Umwelt und das dadurch verursachte "Waldsterben".
Diese Probleme erschienen für mich neu; es muß sie
aber wohl grundsätzlich in der Geschichte der Menschheit
schon immer gegeben haben." Eine Bestätigung seiner
neuen Sichtweise und malerischen Technik fand er schon bald:
"Der Regisseur Werner Schroeter, ein alter Freund meiner
Lebensgefährtin Annette, die in mehreren seiner Filme mitgewirkt
hatte, besuchte uns Anfang der neunziger Jahre auf Sylt. Er
mußte dringend ausspannen. Annette war eine Freundin,
die er aus der Zeit seiner sehr kreativen Anfangsphase kannte.
Schroeter hatte das Bedürfnis, zu seinen Wurzeln zurückzukehren,
denn ausgelöst durch den Tod seines Lebensgefährten
und vieler anderer Freunde war er an einem seelischen Tiefpunkt
angelangt. Viele seiner Freunde waren inzwischen durch Drogen,
Selbstmord, Aids oder andere Krankheiten verstorben. Zu dieser
Zeit haben wir uns nächtelang über sein Schaffen unterhalten
und er hat mir auseinandergesetzt, wie er die menschlichen Urinstinkte,
nämlich Liebe, Tod, Eitelkeit, Eifersucht, Haß und
Rachsucht auf der Bühne oder im Film in Szene setzt. Schroeter
ließ als einer der ersten Theaterregisseure Schauspieler
nackt auftreten. Er legte mir dar, daß ein Mensch nur
dann auf der Bühne wirkt und sozusagen "zu leuchten"
anfängt, wenn er eine sehr blasse Hautfarbe hat, so daß
man fast die blauen Äderchen zu sehen meint. Das Licht
dringt durch die fast pigmentlose Oberhaut und wird durch die
darunterliegenden Hautschichten reflektiert. Der Schauspieler
leuchtet bläßlich silbern auf der Bühne und
vor allem im Auge des Betrachters auf. Diese Form der Farbästhetik
würde die sprachlichen Äußerungen der Schauspieler
noch verstärken. Auch ich habe schon immer versucht, Ähnliches
in meinen Bildern darzustellen, nämlich einen Glanz auf
die Haut zu bringen, im Schein des Lichts. Ich glaube, daß
dies die Bildaussage enorm verstärken kann. Deswegen habe
ich auch viele Bilder aus Filmen (nicht nur von Schroeter) als
Sujet gewählt: Die Ausleuchtung der Personen machte es
immer für mich aus, ob ich ein Bild malen wollte oder nicht!"
1992 veröffentlichte Dr. Wilfried Kugel die Biografie des
in Düsseldorf geborenen Berliner Schriftstellers und Filmpioniers
Hanns Heinz Ewers (Dessen weltweit berühmteste Werke sind
der Roman "Alraune" [1911] und der Stummfilm "Der
Student von Prag" [1913].) Im Anschluß an den großen
Erfolg des Buchs zeigte Kugel im November 1992 in Düsseldorf
eine Ausstellung: "Hanns Heinz Ewers Ein Weltreisender
der Seele", die auch Werke verschiedener Künstler
mit Bezug auf das Leben und Wirken von H. H. Ewers umfaßte.
Niels Gunkelmann präsentierte in dieser Ausstellung als
Auftragswerk ein Porträt (95 x 80 cm). Gemalt in Öl
hinter dickem Acrylglas zeigt es den jungen Ewers in nachdenklicher
Pose, den Zeigefinger auf einem Totenschädel, seinem Briefbeschwerer.
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MEHR
DIMENSIONEN
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Neben
seinen Bildern fertigte der Künstler schon früh kleine
Skulpturen aus Speckstein und Styropor an. Seit 1981 widmete
er sich auch dem Design von Möbeln, Gebrauchsgegenständen
und Kleidung. Seine Wohnung in Westerland mutet deshalb heute
wie ein kleines Design-Museum an. 1985 gestaltete Niels Gunkelmann
als Auftragsarbeit das Cover für die Schallplatte (LP)
"Ordal" (altenglisch für: Gottesgericht) des
Elektronik-Musikers -S-F-, die von Manuel Göttsching ("Ashra")
produziert worden war. Die Platte mit ihrer im Siebdruck (teilweise
mit Leuchtfarbe) in Handarbeit hergestellten Hülle gilt
heute als Sammlerobjekt (Abbildung im Internet: www.ashra.com/disco/5851or.htm).
Schon seit er 7 Jahre alt war, fertigt Niels auch Marionetten
an, zuerst aus Kork und Hölzchen. Mit 10 Jahren schuf er
einen "Tiger", der heute noch zu besichtigen ist.
Über die Beweglichkeit der Marionetten gelangte er zum
Trickfilm sowie zum Kurzspielfilm: "Ich hatte seit 1977
Super-8-Filme gemacht, Trickfilme mit Puppen oder Kriegsspielzeug,
daneben auch Filme mit Freunden, die oft eine eher abstrakte
Handlung aufwiesen. Annette ermunterte mich, auch mit ihr einige
Filme zu drehen. Teilweise sind diese Filme sehr komisch und
wir haben sie auch Werner Schroeter gezeigt, der sich besonders
für meinen ersten Film begeisterte, einen Kriegsfilm mit
viel selbstgebasteltem Kriegsgerät, das ständig in
die Luft fliegt, ein Film ohne direkten Handlungsstrang. Er
wollte, daß dieser Film unbedingt in das Programm des
deutsch-französischen Fernsehkanals ARTE käme, im
Rahmen eines Themenabends: "Die Kinder und der Krieg".
Dieses Thema wurde aber von ARTE leider nie realisiert".
Niels erzählt weiter: "Der absolute Liebling unter
meinen Filmen ist dieser: Eine dunkle Gestalt geht über
den Friedhof. Alles ist dunkel und dazwischen geschnitten,
wie ein Flickenteppich, die Szene eines langsam verbrennenden
Damenschuhs. Dieser Film ist nicht nur farblich sehr ausdruckstark,
sondern durch die fehlende Handlung sehr meditativ und psychedelisch.
Sehr gelungen ist aber auch ein Kurzfilm, den Annette und ich
gemeinsam gedreht haben: "Ein Tag im Leben eines Toddy-Tappers".
Wir sind einen Tag lang 1988 hinter einem jungen Toddy-Tapper
(Palmwein-Sammler) mit der Super-8-Kamera hergegangen und haben
viele Stationen seines Schaffens aufgenommen. Ich habe die besten
Szenen ausgewählt und einen Kurzfilm daraus geschnitten.
Der Film besticht durch seine leuchtenden Farbaufnahmen und
ist mittlerweile Dokument für eine damals noch friedliche
Dorfgemeinschaft, die heute, zwölf Jahre später, durch
das Eindringen des Massentourismus zu zerbrechen droht."
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